KdF-Seebad Prora – 12 Stunden Cachemarathon

prora-17Nachdem die geplante große Fahrradtour leider verletzungsbedingt schon nach 75km abgebrochen werden musste, suchte ich nun nach einer neuen Beschäftigungsmöglichkeit in meinem Urlaub.
Als ich dann wie jeden Abend durch die gebookmarkten Seiten surfte, um mich über Neues zu informieren, staunte ich nicht schlecht, als ich von einem neuen Lost Place auf Deutschlands schönster Insel Rügen, las.
Es sollte nicht irgend ein LP sein, sondern nicht weniger als eine Mischung aus Beelitz und der Stadt im Wald wurde versprochen, gelegen im größten geplanten Seebad der Welt; in Prora.

flug 030Zwei mal war ich bislang auf Erkundungstour in Prora. 2005 flog ich mit einer einmotorigen Maschine über den Koloss um Luftaufnahmen zu schießen und 2006 besuchte ich das dortige Museum im Rahmen der Ausstellung der Bausoldaten der NVA.
Schon damals war ich von dieser riesigen Anlage fasziniert. Doch ist es auch gleichzeitig erschreckend wie die Nationalsozialisten auch mit ihrer Architektur versuchten ihren Machtanspruch zu demonstrieren.
Auf 4,5km Länge entstanden hier ab 1936 Zimmer und Betten für 20.000 Personen im Auftrag der Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ einer Unterorganisation der „Deutschen Arbeitsfront“, um dem deutschen Arbeiter kostengünstigen Urlaub zu ermöglichen und das Volk gleichgeschaltet zu indoktrinieren und zu kontrollieren.

Und hier sollte nun ein D5/T4,5er Multi-Cache liegen? Das klingt nach einer harten Nuss und weckte mein Interesse.
Prompt besprachen wir uns im Team und trafen uns am Pfingstsamstag um 07:30Uhr in Rostock und machten uns auf die 1,5 Stunden dauernde Tour nach Rügen vorbei an Blitzern, lasernden Polizisten und vielen Touristen, so dass wir kurz nach 9 endlich auf dem Parkplatz in Prora ankamen.

prora-1Wir frühstückten noch einmal kurz und schulterten anschließend unser Gepäck und marschierten die lange Reihe Betonbauten entlang bis zum Start des Caches.
Insgesamt sollten hier einmal 8 je 500m lange Gebäude mit je 10 Treppenhäusern und 6 Etagen gebaut werden. Mittlerweile stehen aber nur noch 5 Komplexe und von 2 Komplexen sind nur noch die Ruinen vorhanden, da die Sowjetarmee sowie die NVA nach Kriegsende versuchten, die Gebäude zu sprengen, sie aber an der massiven Betonbauweise scheiterten.

prora-18Wir betraten so dann den entsprechenden Komplex und machten uns auf die Suche nach verschiedensten Graffiti und wurden so ausführlich in die KDF-Bauweise eingeführt und konnten das monströse Bauwerk inspizieren.
Die einzelnen Stationen waren dabei allesamt schwierig, aber sehr fair und gut versteckt, so dass nie Langeweile aufkam und nach 4 Stunden dann dieser fantastische Teilabschnitt I beendet werden konnte. Wobei es rückblickend meiner Meinung nach wohl besser wäre, den Cache hier zu beenden und den Rest als Bonus anzubieten.

prora-70Aber weiter ging es. Es wurde uns nun ein Abstieg in die Unterwelt des KdF-Bades versprochen.
Und wir wurden nicht enttäuscht. Es war dunkel, frisch und wir kamen uns ein wenig verfolgt vor, so brannte kurzzeitig Licht, es waren Geräusche zu hören, da man sich direkt unter einem Fußweg lang bewegte, auch geruchstechnisch bewegte man sich definitiv in der Unterwelt. Aber auch meine Wanderstiefel konnte ich nun endlich einmal auf ihre Wasserfestigkeit testen, stand ich doch für 5 Minuten bis 2cm unter dem Schaft im Wasser.
Hier konnten wir die Veränderung in diesen alten Bauten hautnah sehen. Neben alten Asbestrohren waren fast wie neu wirkende Abwasserrohre angebracht worden, schon wieder gekappte Telekomanschlüsse hingen an den Wänden und alte Gaszähler bewegten sich nicht mehr.

Auch hier hatten wir wieder hart mit den Stationen zu kämpfen und wir riefen zum ersten, aber nicht letzten Mal beim Owner an, da wir uns teilweise nicht sicher waren, ob wir hier richtig waren oder Sachen übersehen haben.
Lexparka und der Rüganer sind schon zwei fiese Gesellen. Es war alles ziemlich schwer, aber wir fanden dann immer doch kurz bevor wir anrufen wollten, die Station und auch sonst sprachen sie uns immer ermutigend zu und mussten uns eher in die richtige Richtung schicken.

prora-90Teil 2 endete nun in einem Gebäudeteil, der von der NVA wohl als Gefängnis genutzt wurde und auch hier fanden wir einige Schätze.
Einen Raum voller DDR-Unterlagen, Zeitungen von vor 1989, Übungspläne usw.
Wir hatten alle unseren Spaß, doch so langsam verschwand die Konzentration und die Kräfte ließen nach.
Mittlerweile war es 16:30 Uhr, wir waren also seit 7,5 Stunden beim Cache und hatten doch erst den zweiten der drei Teile beenden können.
Dieser Cache drohte ein echter Marathon zu werden und nun fing auch noch dichter Nebel an aufzuziehen.
Doch eigentlich war dies sogar von Vorteil für uns, konnten wir uns doch so endlich vor den vielen Pfingstmuggeln verstecken.

Über den dritten Teil möchte ich hier nun nicht weiter spoilern. Es wurde noch einmal körperlich anstrengend und wir waren am Ende unserer Kräfte und hätte der Owner uns nicht wieder ausgeholfen, so wäre hier wohl für uns Schluss gewesen.
Doch nach 12 Stunden hatten wir dann doch endlich die wohlverdiente Dose in den Händen und eine gelöste Stimmung machte sich nun breit und das Lächeln kehrte wieder auf die Gesichter des Teams zurück.
Wir quälten uns noch einen Kilometer zu unseren Autos zurück und bestaunten die Baustelle Prora.
Ja richtig, es wird wieder an den KdF-Blöcken gebaut.
Ein Block wird zu einer 500 Betten großen Jugendherberge umgebaut, direkt neben dem Jugendzeltplatz Prora.
3 weitere Blöcke sind mittlerweile auch in Privathand und es hängen schon Schilder mit den Bauvorhaben. Hotels und Eigentumswohnungen sollen es werden.

Die Rückfahrt war genauso neblig wie der gesamte Tag und man merkte jedem einzelnen die Strapazen des Tages an. Es war alles ziemlich ruhig und ich denke, jeder der anderen Vier hat genauso gut und fest geschlafen wie ich und hoffentlich nicht vom Cache geträumt.

Aber er wird uns sicher eine Weile verfolgen, denn so ein Erlebnis vergisst man nicht so schnell.
Auch wird uns wahrscheinlich erstmal auf längere Zeit kein Cache wieder mehr als 12 Stunden abverlangen.
Für nachfolgende Cacher sei gesagt, dieser Cache ist schwierig, nichts für schwache Nerven und eigentlich sollte es eher ein D7/T5 sein. 😉

  • Cachen

Prora


5 thoughts on “KdF-Seebad Prora – 12 Stunden Cachemarathon

  1. RadlerAndi says:

    Für den Rügen-Urlaub im August habe ich den Cache auch auf dem Plan. Mal sehen was bis dahin damit noch passiert.
    10 Stunden oder mehr an einem Cache zu knabberen, ist schon ganz schön hart. Ich wäre nicht enttäuscht wenns leichter würde. 😉
    Konnte mich letztes Jahr schon mal kurz in einem der südlicheren Blöcke umschauen, bei N 54° 25.813 E 13° 34.879 war ne offene Tür. Ein paar deiner Fotos könnten auch dort entstanden sein, z.B. prora-16.jpg, oder ist es das sogar? Aber sieht ja eh fast alles gleich aus. 😉
    Der Block wo ich drin war, war mal Kindergarten, auf jeden Fall waren an den Wänden Bilder für Kinder dran.
    Gruß

  2. RadlerAndi says:

    Ergänzung/Korrektur zum letzten Satz: „Kindergarten“ im Speziellen wohl nicht, aber Kinder waren da halt drin, sonst wären ja nicht die Wandbilder für Kinder dran.

  3. Das dürfte sich glaube ich um den Startblock handeln. Dann hoffe ich vor allem, dass der Cache bis August noch da ist, denn der wird wohl nun einen riesigen Ansturm bekommen, wo Beelitz ja wohl dicht wird.

  4. RadlerAndi says:

    ach ja, jetzt seh ich es auch. Die Listingkoordinaten sind ja sogar die gleichen wie ich sie damals in meinem Log angegeben hatte: http://www.geocaching.com/seek/log.aspx?LUID=314a608a-ac4b-4635-8819-a5d224bd13ae
    Dann ist mir auch klar, warum mir im Listing das Bild 7 von der RezeptionOne bekannt vorkam.
    Hehe, bin ich also quasi Auslöser für den Cache. 🙂
    Interessant, dass die Tür dann offenbar immer noch offen steht. Hätte ich nicht erwartet.

  5. Halli Hallo 🙂
    Ich bin schon seit längerem begeisterte Geocasherin und finde diesen Blog und die Tipps ganz wunderbar. Die Route auf Rügen ist echt mal was anderes, ich kenne bisher nur die Cashes in der Stadt, das ist auch spannend und es laufen ganz schön viele Muggel herum, aber so im Urlaub finde ich auch eine klasse Idee.

    Also, TFTB (THANKS FOR THE BLOG)
    LG Anne

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