Mitten im Nirgendwo – Island erleben

island-317Möchte man einmal dem stressigen, hektischen Alltag entfliehen, so sollte man sich nach Island aufmachen. Mit 3 Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Wahrscheinlichkeit auf einer Rundreise andere Menschen zu treffen, je nach Jahreszeit sehr gering.
Und auch bei einem Bad in einer heißen Quelle kann man alle Sorgen vergessen.
Nicht verwunderlich also, dass ich einer Freundin, die vor anderthalb Jahren für ein Jahr zu einem Auslandssemester in Island aufbrach, sofort zusagte sie zu besuchen.

Für knapp 200€ ging es im April von Berlin nach Reykjavik und zurück und 150€ kostete dann noch der Mietwagen für 4 Tage inklusive Vollkasko, welche auch unbedingt zu empfehlen ist, aber dazu später mehr.
Vom Flughafen Reykjavik ging es abends mit dem Bus in die Stadt und gegen Mitternacht erreichte ich dann endlich Islands größte Stadt mit 120.000 Einwohnern.
Das Ziel war klar, am ersten Tag sollte Reykjavik erkundet und die Einkäufe für die große Autotour erledigt werden. Es gab zwar nicht soooo viel in Reykjavik zu sehen, aber die im Vergleich zu Deutschland unterschiedliche Architektur und auch die zu entdeckenden Graffiti waren sehr schön und der beste Hotdog-Stand Islands war definitiv jede isländische Krone wert.

island-54Am nächsten Tag wurde frühmorgens nach einem längeren Fußmarsch der Wagen abgeholt. Vor Ort erfuhren wir dann, dass man uns auch unentgeltlich abgeholt hätte, aber gut, man kann nicht alles wissen 😀
Mit einem Daihatsu Sirion brachen dann wir zu dritt zunächst zu einer Eintagestour auf, genauer gesagt der Golden Circle Tour, der beliebtesten Touristentour.
Auf knapp 300km kann man die karge Landschaft erkunden und zum Beispiel zwischen der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatte hin und her springen.
Als wir das Auto verließen, fing es natürlich prompt an zu regnen, aber einen Cacher interessiert so etwas natürlich nicht, aber auch eine Outdoorhose ist irgendwann durchnässt, vor Allem wenn man neben dem Geysir Strokkur steht, der alle paar 10 Minuten eine bis zu 35m hohe Wasserfontäne ausspuckt. Weiter ging es dann zum Wasserfall Gullfoss, wo es dann kurzzeitig aufklarte und so für wunderschöne Regenbogen sorgte.

island-63Zurück nahmen wir einen anderen Weg direkt am atlantischen Ozean vorbei, doch da der Wind mittlerweile auf Windstärke 9 bis 10 angewachsen war, peitschten die Wellen so hoch, dass ich sie am Anfang für rauchende Fabrikschlote hielt. Leider sorgte der Wind dafür, dass es auch zu starken Sandstürmen kam. Es blieb uns nichts anderes übrig als den Wagen auf der Straße anzuhalten und zu hoffen, dass niemand von vorne oder hinten angefahren kam, denn die Sichtweite war auf unter 2m zurückgegangen und der Wagen wurde komplett sandgestrahlt. Als wir am nächsten Tag den Wagen reinigten, war hinter dem Tankdeckel alles voll mit Sand und in jeder einzelnen Ritze fanden wir haufenweise Sand.
Für weitere Probleme sorgte dann der Wind als unser Beifahrer die Tür öffnete und er einer aufkommenden Windböe nicht stand halten konnte und die Tür so komplett überdehnt wurde und verbogen war.
Aber für solche Fälle hatten wir zum Glück ja eine Vollkasko, die auch anstandslos die komplette Kaution erstattete.

island-105Nachdem wir den Wagen also am 2. Tag früh morgens komplett entsandet hatten und bei der Autovermietung anstandslos gegen einen neuen Wagen eingetauscht hatten, einem Dodge Neon mit Automatik, machten wir uns diesmal zu 4. auf zu einer Dreitagestour gen Norden.
Unser Ziel für den ersten Tag hieß Akureyri, der viertgrößten Stadt Islands mit knapp 18.000 Einwohnern und so starteten wir zu dieser 460km langen Tour. Auto fahren auf Islands Straßen ist überhaupt kein Problem, die Straßen sind durch die Weite wunderbar einzusehen, andere Autos trifft man nur alle 30km und jeder Blitzer wird einen Kilometer vorher durch mehrere Warnschilder angekündigt.
Aber selbstverständlich fuhren wir nicht nur Auto sondern hielten auch unterwegs immer für das ein oder andere Foto oder verschiedene Sehenswürdigkeiten, aber auch Caches an.
Island ist natürlich prädestiniert für Earthcaches. Überall gibt es etwas lehrreiches und die Touristen brauchen keine Dose zu ihren Caches verstecken.

island-147An jeder Ecke warten Wasserfälle darauf entdeckt zu werden und irgendwann fing es dann auch an zu schneien, schließlich bewegten sich die Temperaturen im Norden um den Nullpunkt.
Unsere Route führte uns immer weiter gen Norden und irgendwann machten wir dann noch einen kleinen Umweg an den Ozean um das Meer zu sehen, so dass wir dann abends Akureyri erreichten, in unserer günstigen Unterkunft eincheckten und bei Subway zu Abend aßen. Insgesamt war unsere Verpflegung sehr „gesund“. Hot Dogs, Subway, Kentucky Fried Chicken und selbstgemachte Bagles gab es, aber lecker war es trotzdem und wir haben ja auch genug Kalorien beim Wandern verbraucht.

island-216Am nächsten Morgen ging es weiter. Myvatn, der viertgrößte See Islands, zu dieser Jahreszeit herrlich vereist, und Dimmuborgir, ein Lavafeld mit an Burgen und Türmen erinnernden Gesteinsformationen war das Tagesziel.
In Myvatn angekommen begaben wir uns auf eine ca. 10km lange Wanderung durch das Lavafeld, da wir unbedingt den Hverfjall, einen knapp 450m hohen und 1km breiten Vulkan, besteigen wollten.

So stapften wir also los und beantworteten dabei noch ein paar Fragen zu weiteren Earthcaches. Als wir am Fuß des Vulkans ankamen, waren wir uns zunächst unsicher, wie wir wohl nach oben kommen würden, denn ein Aufstieg war nicht zu erkennen. So umrundeten wir den Vulkan zu einem Viertel bis wir den steilen Aufstieg fanden.
Da der Untergrund nur aus Geröll bestand, der Weg steil und es windig war, quälten wir uns ziemlich, bis wir oben waren, wo uns ein noch stürmischerer Wind begrüßte.
Unser eigentlicher Plan war es den zweiten, flacheren Abstieg auf der anderen Seite zu benutzen, aber wir drehten eine komplette Runde bei Sturm und fanden keinen weiteren Weg, entdeckten aber in der Mitte des Vulkans einen riesigen, aus Steinen gelegten Smiley.

island-290Da wir den Weg also nicht fanden, blieb uns nichts weiter übrig, als den gleichen Weg wieder abzusteigen und uns vom Fuß des Vulkans zum Auto aufzumachen.
Ein weiterer Earthcache an einem wunderbar stinkendem Schwefelfeld später und wir konnten uns und unsere geschundenen Füße in einem heißen Bad entspannen.
Bei 3°c Außentemperatur und 36°c Wassertemperatur und einem herrlichen Blick über die Berge, Myvatn und den aufgehenden Mond erholten wir uns von den Strapazen des Tages und begaben uns im Anschluss Abends in unsere Hütte.

island-319Da ich mit der Hoffnung angereist war, Polarlichter zu sehen und laut Wetterbericht dies die einzige Nacht mit klarem Himmel war, warteten wir vor der Tür mit aufgebautem Stativ, ob irgendetwas passieren würde, und tatsächlich, für gut eine halbe Stunde tanzten die Lichter über das Firmament und ließen alles in wunderschönem grünen Licht erstrahlen.
Ein einmaliges Erlebnis, was man nicht beschreiben kann sondern erlebt haben muss.

Tag 4 unserer Tour führte uns weiter zu Krafla, einem Vulkan der 1974 das letzte Mal ausgebrochen ist. Auch dort gab es einen Geocache, der mir einiges an Überwindungskraft abverlangte. 2m vor dem Abgrund lag ein auffälliger Steinhaufen. Ich setzte mich auf meinen Hosenboden und robbte ganz ganz langsam vorwärts und barg mit zitternden Hemden die Dose, oder versuchte es zumindest. Da diese allerdings fest gefroren war, musste ich die Dose vor Ort öffnen.
Eigentlich wollten wir weiter ins Landesinnere fahren, aber die Straßen waren für alle Nicht-Offroad-Fahrzeuge gesperrt und so machten wir uns auf den verfrühten Rückweg nach Reykjavik. Hier waren wir ja schließlich auch wieder knapp 7h unterwegs.

island-339Tag 5 sollte es dann in den Süden Islands gehen. Papageitaucher waren zwar leider noch keine da, aber wenigstens hier gab es ein paar Tiere zu sehen. Isländische Pferde, welche mit Fisch gefüttert werden, die hässlichsten Schafe, die ich je gesehen habe, sowie jede Menge brütender Möwen gab es zu dieser Zeit im Süden Islands. Das waren aber auch schon alle gesichteten Tiere.
Über die Wasserfälle Seljalandsfoss und Skogafoss sollte es bis ins Fischerdorf Myrdal gehen. Am Seljalandsfoss trafen wir auf ein Auto mit deutschem Kennzeichen, da waren doch tatsächlich Leute so mutig mit der Fähre 5 Tage zu fahren.
Der Wasserfall dort ist begehbar. Man sollte allerdings gute wasserfeste Kleidung anhaben, denn man wird ziemlich nass, aber die Kamera hat es zum Glück ausgehalten. Wir haben dort einige Zeit verbracht, um die Vögel zu beobachten und eine kleine Frühstückspause mit leckeren Bagels zu genießen.
Skogafoss begrüßte uns mit einem riesigen Regenbogen. In Island gibt es das Sprichwort mit dem Topf voll Gold am Ende des Regenbogens übrigens als einziges europäisches Land nicht, sondern hier findet man sein Glück unter dem Regenbogen, aber das nur nebenbei.
Skogafoss konnte man über eine lange Treppe besteigen und hatte von oben einen wunderschönen Blick über die brütenden Möwen. Da leider ein Regenschauer vorüber zog, als wir gerade Oben angekommen waren, wurde nur schnell der Cache geloggt und flucks ging es die Treppen wieder hinunter und ins Auto.

island-352In Myrdal angekommen war ein schwarzer Strand zu bestaunen. Hier gab es keinen Sand sondern nur Asche vom unaussprechlichen Vulkan Eyjafjallajökull, der 2010 den deutschen Flugverkehr zum erliegen brachte. Man fühlt sich ein wenig wie auf dem Mond mit all den schwarzen Fußabdrücken. Zum Abschluss des Tages ging es kurz auf die Halbinsel Dyrhólaeyjarviti, wo es dann doch noch einen Leuchtturm zu sehen gab. Allerdings sind diese auf Island scheinbar nicht hoch und schmal wie in Deutschland, sondern klein und dick. Und auch hier ärgerte uns der Wind wieder, denn er blies so stark, dass man gut und gerne 4m aus dem Stand springen konnte.

Am nächsten Tag ging es dann leider doch sehr früh zum Flughafen, wo das TB-Hotel noch einmal geplündert wurde und ab ging es wieder in das triste Deutschland.

Was kann man als Fazit mitnehmen? Island muss man erlebt haben. Eine solche Landschaft habe ich noch nicht gesehen und auch wenn man gerne seine Ruhe hat und einfach mal wandern und entspannen möchte, sollte man die Kosten nicht scheuen, sich diese tolle Insel einmal anzusehen. Und wenn man zwischen September und April fährt, trifft man auch nicht auf so viele Touristen und bezahlbar ist das ganze dann auch noch.

  • Sächsische Schweiz

Island


3 thoughts on “Mitten im Nirgendwo – Island erleben

  1. Danke für den tollen Reisebericht. Irgendwann schau ich mir die Insel endlich mal selber an. Ich bin von den Berichten und Fotos immer wieder aufs neue begeistert.

    Grüße

  2. Danke auch für den tollen Bericht und die schönen Bilder. Bin gerade voll am schwärmen, aber zum Glück ist es Ende Mai bei uns soweit – Islandreise schon gebucht … nur das Warten ist so schlimm 😉 Wie viele Caches habt ihr insgesamt geschafft?

  3. Da bin ich schon ein wenig neidisch, möchte da nochmal hin.
    Ich habe nur 13 Caches gemacht, da ich die drei Begleitmuggel nicht zu sehr mit der Dosensuche belasten wollte 😉

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